Gott, Rosenkranzgebete und Pilgerfahrten

Gracias a dios, meld ich mich mal wieder!

 

Mir sind in den sechs Monaten, die ich bereits hier bin schon einige grössere Kulturunterschiede aufgefallen. Einer der markantesten ist wohl der Glaube. Damit will ich nicht sagen, dass bei uns kein Glaube gibt. Jede Person glaubt an etwas, sei es an Dinosaurier, das Periodensystem, an Engel oder an einen oder mehrere Götter. Nur wie dieser Glaube gelebt wird und wie damit umgegangen wird, ist meist sehr anderst in verschiedenen Kulturen. Ich will einerseits über den religiösen Glaube reden, aber auch über den Glaube an andere übernatürliche Kreaturen, wie Geister oder Wahrsager.

 

Glaube - Ein Blogeintrag in zwei Teilen

 

"Gott über alles", so lautet jeder zweite Whatsapp-Status meiner gleichaltrigen Mitschüler, meine Facebookroll ist voll mit Jesusbildern und "Like, wenn du an Gott glaubst"'s und überall hängen Kreuze, Gebete und Bilder von Heiligen. Der Glaube ist sehr tief verankert in der Kultur und im Alltag. Beinahe ausnahmslos wird Gott als Retter in der Not, mit einem von ihm bestimmten Plan für jedes Lebewesen angesehen. Vor Aufführungen oder Reisen betet man für viel Glück und Beschützung. Phrasen wie „Wenn Gott es so will“ oder „Dank Gott“ wird von jeder Altersgruppe alltäglich benutzt, in Situationen wo bei uns ein „Hoffentlich“ und „zum Glück“ angebracht ist.

Auch wenn jemand stirbt, wird das viel religiöser zelebriert als bei uns. Jeden Monat gibt es ein "Rosario" (Rosenkranzgebet*) am Todestag.

Für Leute, die, wie ich, nicht wussten, was das ist: Bei einem Rosario sitzt eine Gruppe von Leuten in einem Raum zusammen, alle haben eine Gebetskette in der Hand und für jede der 55 Perlen wird ein Gebet gesagt, fünf Mal wechselt dabei der Gebetsvorsprecher.

Wenn sich der Todestag jährt, gibt es ein letztes Mal ein Rosario, bei dem viele Verwandte und Freunde kommen und ein letztes Mal Abschied nehmen. Das endet dann meistens mit gemütlichem Plaudern und Beisammensein.

 

Ausser zu Gott wird aber auch zu anderen Heiligen gebetet, welche sie mit verschiedenen Feiertagen ehren. So wird zum Beispiel immer am 2. August eine Pilgerfahrt zu Orten gemacht, wo es Marienstatuen hat.
(la romeria para la virgen de los angeles: die Pilgerfahrt für die Jungfrau der Engel – die Patronin von Costa Rica)

Einige laufen bis zu fünfzehn Tagen früher los, quer durch das Land, um zu der katholischen Basilika in Cartago zu kommen, manchmal sogar barfuss, um ein grösseres Opfer zu bringen.  Dort angekommen gibt es eine kirchliche Zelebration und man geht die Marienstatue berühren und ihr danken. Jeder betet vor der Reise zu der Heiligen und bittet um Gesundheit, Glück, Lösungen oder was auch immer einem auf dem Herzen liegt.

Man glaubt, dass wenn man diese Reise macht und seinen Glauben zelebriert, wird seine Bitte erfüllt werden.
Die Mutter eines Freundes von mir, der zu dieser Zeit in Europa war, ist zum Beispiel eine Pilgerfahrt angetreten, mit der Bitte, dass er heil zurück kommt. Sie ist dafür anderst als die Mehrheit hin und zurück gelaufen. 
Ich bin mit meiner Schwester und ihrer Freundin nach Santa Barbara gelaufen, das nächste Nachbardorf, in welchem es eine solche Marienstatue hat. Wir sind zirka zwei einhalb Stunden dahin gelaufen und dann mit dem Bus zurück gefahren. Zuhause angekommen wurde dann die Plastikmarienfigur vor dem Haus gewaschen und mit Plastikblumen dekoriert. Damit fand das religiöse Ritual ein Ende.

 

Am Anfang dieses Jahres, hat mich die Präsens dieser intenisven Religiösität etwas abgeschreckt, ich kannte es so nicht von zuhause. Ich war verwundert, wenn mir mein sich-überst-cool-fühlender-Klassenkamerad auf meine Frage, wie es ihm geht mit einem "Gut Gott sei dank" antwortete. Mittlerweile habe ich mich daran gewöhnt, es ist ein Teil von hier und es wär komisch wenn es fehlen würde. 

Auch wenn ich nicht die religiöseste Person bin und es wohl auch nicht so bald sein werde, habe ich das Schöne an dem Frieden und der Ruhe eines Gottesdienst zu schätzen begonnen und gelernt Religiösität zu respektieren.

 

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Kommentare: 1
  • #1

    Sonja Kindler (Sonntag, 15 Januar 2017 00:48)

    Finde ich einen sehr guten Beitrag deinerseits! Sufi