Wo ich steh - zum Projekt

Queridos Lectores

Ich hab mir endlich einmal die Zeit genommen, meine Projektergebnisse zu analysieren und aufzuschreiben.

 

Als ich die zwei Wochen in San José an der Gehörlosenschule gearbeitet habe, habe ich viel gelernt und erfahren. 

Ich bin mit vielen Zielen und Erwartungen angekommen, einige davon haben sich erfüllt andere nicht. 

 

1. Ein persönliches Ziel von mir war, etwas Lesco zu lerne.
LESCO [LEnguaje de Señas de COsta Rica]
Mein Lesco hat sehr Fortschritte gemacht, ich verstehe fast alles und kann mich jetzt auch, mit viel Konzentration, verständigen.
Die Nummern werden hier in Costa Rica ganz anders gebärdet als in der Schweiz, beim ABC unterscheiden sich "t" und "p" und sie haben noch einige zusätzliche Buchstaben, die wir nicht benutzen.
Lesco ist ASL sehr ähnlich. [American Sign Language]
Die Grammatik, Namen und der expressive Gebrauch von Körpersprache und Gesichtsausdrücken bleiben aber gleich. 

2. Ein zweites Ziel war, zu erfahren, was für Möglichkeiten gehörlose Ticos haben, im Bezug auf Schulbildung, Zugang zu Kultur und Religion.

 

Schulbildung

Schule

Die wohl bekannteste Institution für hörbehinderte Kinder ist die nationale Sonderschule Fernando Centeno Güell in San José, an der ich auch mein Praktikum gemacht habe.

 Die Schule unterrichtet unter anderem gehörlose Kinder und Jugendliche von Kindergarten bis zur Mittelstufe, deren Hauptsprache die Gebärdensprache ist. Lautsprache haben sie wenig oder keine. Alle Lehrer und Pädagogen kommunizieren in Gebärdensprache, viele sind auch selbst gehörlos oder schwerhörig.

Die Kinder erhalten neben obligatorischem Unterricht, zusätzlich psychologische Betreuung, sofern das nötig ist, ausserdem Artikulations-, Hör- und Lippenlestraining, aber auch Musik, Kunst und Sport sind fest im Stundenplan integriert. 

Jeden Montag gibt es ein Ensemble, in dem über spezielle kulturelle Ereignisse und Aktualitäten geredet wird.
(Auf dem Bild sieht man die"Schulglocke", grün blinkt, um die Pause anzuzeigen, die rote leuchtet im Notfall.)

 

Geistig- und körperlich Behinderte, Kinder mit Down Syndrom und Autisten finden an der Schule ebenfalls eine Möglichkeit,sich weiterzuentwickeln und mit der richtigen Unterstützung zu lernen.

 

In Alajuela gibt es eine weitere Schule die “Juan Rafael Meoño”, was eingentlich eine Schule für Normalhörende ist, aber 2 bis 3 Klassen mit gehörlosen Kinder hat.

 

Als ich die Lehrerin,mit der ich über die Zeit gearbeitet habe, darauf angesprochen habe, dass es ja im ganzen Land noch viel mehr gehörlose Kinder hat und wo die alle zur Schule gehen, meinte sie, dass es im ganzen Land Schule gibt, die gehörlose Kinder aufnehmen und in hörenden Klassen integrieren. Die Lehrerin bekommt in den meisten Fällen dann alle 15 Tage ein Tutoring zu Lesco und zum Umgang mit schwerhörigen Kindern. Profesionelle Dolmetscher müsste man aus eigener Tasche zahlen. 1 volle Stunde kostet ca. 20 Franken. in

 

Oftmal passiert es aber auch, dass Schwerhörige ein CI implantiert bekommen, dann als genug hörend abgestempelt werden und nicht die Hilfe bekommen, die sie brauchen.

So passiert es oftmals auch in der Schweiz. Aber meiner Meinung nach ersetzt ein CI nicht die Gebärdensprache und ist auf keinen Fall gleichzustellen mit einem funktionierenden Gehör.

 Colegio – die Oberstufe

Insgesamt gibt es fünf Colegios, die gehörlose Klassen unterrichten.

Drei in San José: 

Das Colegio "Napoleon", das technische Colegio "Calle Blanco"und ein weiteres, was sich "el colegio mexicano" nennt.

In Alajuela (eine Nebenprovinz San Josés) gibt es im Ort San Carlos ein Colegió, das Hörbehinderte Jugendliche aufnimmt und in Heredia (eine weitere Provinz) gibt es das Colegio "Manuel el benvidez R."

 

(Dieses Informationsblatt zur Kommunikation mit Gehörlosen habe ich im Colegio Napoleon aufgehängt gefunden.) gehörlosen

 

Ich habe während meinem Praktikum das Colegio Calle Blanco kennengelernt. 

Es ist ein technisches Colegio, was bedeutet, dass sie neben normalem Unterricht die Möglichkeit haben, technische Fähigkeiten und Wissen zu erlangen, was ihnen in einem zukünftigen Beruf sehr von Nutzen sein kann. Es ist wohl vergleichbar mit einer geschlossenen Werkstatt in der Schweiz. Nur, dass technische Colegios hier für jeden zugänglich sind. Einige Schüler lernen Autos, Motorräder, ja sogar Kühlschränke zusammenzubauen, andere die mehr gestalterisch interessiert sind, können auch Werbe- und Modedesign lernen. 

An sich hat mir die Schule und das Angebot sehr gefallen. Sie hatten eine Lehrerin,die Gebärdensprache spricht,für die insgesamt 6 Klassen mit behinderten Schülern (Hörbehinderte aber auch Personen mit Downsyndrom und geistlicher Behinderung). Der Rest sind "normale" Jugendliche. Natürlich gibt es auch andere Lehrer, die sie unterrichten, aber sie ist die einzige, die Gebärdensprache spricht.

Als ich mich mit einer der gehörlosen Schülerinnen unterhielt, die uns herumgezeigt hatte, erzählte sie mir, dass ihr Wunsch eigentlich gewesen wäre, Werbedesign zu erlernen, die Direktion ihr das aber nicht erlaubt hat, weil alle Behinderten immer im Auto- und Motorradbereich arbeiten, der zuhinderst auf dem Schulgelände liegt. Es fühlte sich sehr so an, als wollen sie "die schwarzen Schäfchen" verstecken, wobei meiner Meinung nach die Integration von Behinderten der Schule ein gutes Image geben könnte. 

Um fair zu bleiben, ich habe nur ihre Sicht auf die Dinge gehört,vielleicht gibt es einen guten Grund.

Alles in allem ist es aber ein schönes Colegio mit vielen interessanten Werkstätten und viel Freiraum. José,

 

Im Napoleon war ich auch auf Besuch, allerdings waren die Schüler  in Vorbereitung auf den Bachillerrato und niemand war in der Schule. Diesen Mittwoch gehe ich allerdings erneut auf San José, für das letzte Orientationcamp. Ich werde der Schule also einen spontanen Besuch abstatten und wenn ich Glück habe, sind die Schüler da. 

Fernsehen

Die Nachrichten im wohl meist geschauten Kanal “Teletica” sind immer gedolmetscht, von einer Frau in einem kleinen Quadrat unten rechts. Wenn eine Präsidenten-Rede übertragen wird, steht der Dolmetscher im Bild sichtbar neben ihm.

Ab und zu sind Werbeaktionen, die vom Staat zur Sicherheit der Bevölkerung ausgestrahlt werden,ebenfalls gedolmetscht. Das sind 20 Sekunden Warnungen zu Krankheiten und wie man sich davor schützt, bis zu animierten Kurfilmchen, um Kinder für sicheres Strassenüberqueren zu sensibilisieren. 

 

Religion

Es gibt eine Kirche in San José, die in Gebärdensprache gehalten wird, sie ist in Facebook unter "Iglesia Kukobalewa el Shaddai cr" zu finden. Leider hatte ich keine Chance diese zu besuchen. 

Dolmetscher

Es hat mich sehr positiv überrascht zu sehen, dass es auf dem Stadtamt in San José und in den Hauptzentralen der zwei grössten Banken Costa Ricas Personen gibt, die die Gebärdensprache komplett beherrschen und jederzeit erreichbar sind um Gehörlose zu bedienen. 

3. Ein weiteres Ziel, konkreter zum Projekt, war herauszufinden, ob es möglich wäre gehörlose und hörbehinderte Leute mit AFS nach Costa Rica in einen Schüleraustausch oder in ein Voluntariat zu schicken.

Meine Antwort ist ja, auf jeden Fall. Costa Ricaner sind sehr offene Menschen, denen es sehr wichtig ist,alle zu integrieren. Als ich eine Freiwillige von AFS San José auf mein Projekt angesprochen habe, meinte sie überzeugt, dass sie sehr gerne ihre Türen öffnen würden für gehörlose Personen. der Gehörlosenschule 

Ich bin überzeugt, dass man in einem dieser Colegios, die ich aufgezählt habe,einen Platz findet. Bei meinem Besuch im Napoleonhat mir die Sekretärin auch versichert, dass sie sehr erfreut wären,einen Austauschschüler aufzunehmen. 

Wenn es um Familien finden geht, könnte man sich jederzeit mit Personen aus der Centeno Güell in Verbindung setzen, normalerweise sind Gehörlose sehr vernetzt und es kann schnell eine fähige Familie gefunden werden,die interessiert ist. Und wenn man keine findet,die bereits in das Thema involviert ist, bin ich überzeugt, dass eine Lehrperson oder Therapeutin der Gehörlosenschule dazu bereit wäre, einen kurzen Einführungskurs im Umgang mit Gehörlosen für Familien oder auch AFS-Volunteers zu geben. 

Ausserdem habe ich eine Vertragsbindung zwischen AFS Costa Rica und der Centeno Güell geschaffen, sodass in Zukunft AFS Volunteers, so wie ich,nur für längere Zeit,da arbeiten werden. Das können hörbehinderte aber auch hörende Personen sein.

(Oben sieht man ein Foto vom Innengarten des Colegio Napoleon)

4. Einen Vortrag zu halten und hörbehinderte Jugendliche zu animieren einen Austausch zu machen. 

Wenn ich ehrlich bin, glaube ich nicht, dass es in Zukunft viele gehörlose tico Austauschschüler geben wird, dafür gibt es 3 Gründe:

 1 Ein Austausch ist zu teuer. 

Auf dem weltweiten Vergleich sind Costa Ricaner eher arm. Es gibt wenige Familien, die sich einen Austausch leisten können oder wollen.

2 Ticos sind Familientiere

Einzelne Mitglieder trennen sich nicht gerne für eine lange Zeit von der Familie. 

Es ist sehr üblich, dass die Kinder ein Leben lang mit den Eltern leben. 

3  Das Klischeebild des hörbehinderten Kindes: Nesthäckchen

Es ist auf keinen Fall die Regel, aber ich habe es schon einige Male erlebt, dass gehörlose Kinder überbehüteter und  unselbstständiger waren als hörende Kinder. 

 

Ich wollte eigentlich im Napoleon die Idee des Austauschs vorstellen. Da das die gesuchte Altersgruppe wäre und das Niveau höher ist als in dem technischen Colegio Calle Blanco.

Wie bereits erwähnt, konnte ich das allerdings nicht erfüllen durch die Abwesenheit der Schüler. Ich habe allerdings Broschüren und Informationsblätter da gelassen, die ich zuvor im AFS-office geholt hatte. 

So viel zu meinem Projekt! Wie geht es weiter?
Hier in Costa Rica, kann ich wohl nicht mehr viel machen. Ich werde euch Updaten, wie mein erneuter Besuch im Napoleon gelaufen ist.


Wenn ich dann in der Schweiz bin, will ich mich einerseits als AFS-Volunteer melden und beginnen Camps zu leiten und vielleicht eines Tages eine Kontaktperson sein. Falls es in Zukunft gehörlose Austauschschüler gibt, aber auch allgemein, würde ich gerne weiterhin mit AFS arbeiten, weil mir die Arbeit der Organisation sehr gefällt!

 

Ausserdem werde ich eine Präsentation vorbereiten, in der ich über meinen Austausch und die Organisation AFS rede und werde diese in der Kantonsschule Aarau, wo es mehrere gehörlose Schüler gibt, halten. Möglicherweise auch an der Berufsschule und an anderen Events von Gehörlosengruppen. Ich habe schon im Vorraus mit einigen Vorsitzenden geredet und sie wirkten alle sehr interessiert zu kolaborieren. 

 

So viel zu meinem Projekt!

 

Ich hoffe ich konnte euch die Situation verständlich erläutern! 

Bei Fragen oder Anmerkungen könnt ihr mir gerne einen Kommentar hinterlassen.

 

Pura Vida, Mae!

 

Lara

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Kommentare: 2
  • #1

    Guy (Montag, 28 November 2016 07:43)

    Liebe Lara

    Mit grosser Freude und mit viel Interesse habe ich deinen neusten Blog gelesen! Ich muss jetzt leider zur Arbeit und konnte noch nicht ganz alles lesen-ich werde das unbedingt noch nachholen! Aber was ich bis jetzt gelesen habe, finde ich ganz toll!!!

    Herzlicher Gruss

    Guy

  • #2

    Ammann Christine (Dienstag, 03 Januar 2017 16:32)

    Liebi Lara ,
    Esch scho sehr interessant , was du erläbsch ond secher mit diner gmachte Ehrfahrig chasch witergeh.Dini Blogs send emmer abwechsligrich ond unterhaltsam gschrebe , jedefalls freui ech mech , dech bald weder z'gseh, pnd wönsch der no bis dahin en guete Zit, ganz liebe Grüess Christine